Kapitel 8 – Final Destination
Schon an jenem Morgen trafen Kenny und Tiko zusammen um über das von Kenny am Abend abgehörte Gespräch zu reden. Tiko schien nervöser als sonst zu sein und da Kenny bei Tiko das noch nie gesehen hatte, war er noch ein wenig mehr besorgt. Er berichtete Tiko jedenfalls, was er gehört hatte und fragte gleich einmal nach, was es mit dieser Russian Destroy Group (der Einfachheit halber wollen wir bei RDG bleiben) auf sich hatte. Tiko zuckte bei dem Namen kurz zusammen und druckste eine Zeit lang drum herum, bis er sich dann doch zu einer Antwort durchgerungen hatte. „Die RDG sind unseren erklärten Todfeinde! Einst waren wir Verbündete, doch irgendwann zerstritten sich die beiden Kommandeure und seither sind wir total verfeindet. Wenn ein RDG – Soldat auf einen Merchanery trifft kommt es automatisch zum Kampf und umgekehrt. Ein wirklicher Grund ist nicht mehr von Nöten. Bei unserem letzten Aufeinandertreffen habe ich damals dem Anführer des Trupps eine Verletzung an der linken Wange zugefügt. Ich war noch jung damals, ich konnte noch niemanden töten. Meine Kameraden hatten mich beschützt, aber diesen Typen hatten sie nicht aufhalten können. Nun, ich hab ihn mächtig verprügelt und ihm dann eben dieses Andenken hinterlassen. Im Nachhinein gesehen, wäre es besser gewesen, ich hätte ihn gekillt. Jedenfalls ist es seither zu keiner Konfrontation mehr gekommen. Die RDG sind eine reine Killertruppe. Die leben für das Töten. Nicht so wie wir. Wir wollen das Leben erhalten und setzten den Tod nur als notwendiges Übel ein. Schon alleine deshalb sind sie gegen uns. Irgendwie glaube ich, dass wir jetzt nicht mehr gegen SIGNUM gewinnen können!“ Kenny sah Tiko fragend an. „Was meinst du damit? Hast du etwas Angst vor diesen Typen?“ – „Ja und Nein. Die sind doch viel mehr als wir. Die können wir nicht schlagen!“ Kenny grinste auf einmal. „Und wie wir die schlagen werden. Sie wissen wahrscheinlich schon, dass ich hier bin, aber sie kennen mich nicht und das wird sie ihren Verstand kosten!“ – „Ihren Verstand? Wie meinst du das?“ – „Du wirst schon sehen Tiko! Lass dich überraschen!“
Es war kurz nach Mittag, als die RDG unter der Führung von Major Buco den Wald östlich von NT3 erreichten. Auf einer Lichtung breiteten sie ihre Kommandobase aus und fingen an die Umgebung zu sichern. Nachdem alles aufgebaut und getarnt worden war, stellte Buco einen Trupp von elf Mann zusammen, die in die Stadt gehen und diese gleich einmal erkunden sollten. Sollten diese Männer zufällig auf Kenny treffen, sollten sie ihn sofort beseitigen. Tja, wie es der Zufall so wollte, trafen sie auch auf ihn, nur dass die Sache mit dem ausradieren, nicht ganz so einfach war, wie Buco sich das wahrscheinlich vorgestellt hatte. Die RDG – Soldaten hatten das Pech, dass Kenny sie zuerst entdeckte und sofort hinter einer Hausmauer Zuflucht suchte, wo er erst einmal in aller Ruhe, seine Waffen auspackte und sich bereit zum Angriff machte. Die Soldaten fingen auf jeden Fall auf die Mauerecke zu feuern, was erstens total sinnlos ist und zweitens nichts bringt. Pech No.2 war, dass Kenny sich nicht aus dem Staub machte, sondern ganz ruhig stehen blieb, bis diese Idioten aufgehört hatten zu feuern und anfingen vorzurücken und die größte Blödheit ihrerseits war: Niemand von ihnen war irgendwie in Deckung gegangen. Als Kenny nämlich blitzschnell hinter der Mauer zum Vorschein kam, waren die Elf so überrascht, dass sie nicht einmal daran dachten den Abzug an ihren Waffen zu ziehen und Kenny ließ ihnen die Chance dann auch gar nicht. Kurz darauf lagen zehn tote und ein leicht Verletzter Soldat auf der Straße. Kenny beugte sich über den einen, den er nur angeschossen hatte, entfernte alle seine Waffen und sagte zu ihm: „Geh zurück zu deinem Kommandanten und sag ihm, dass ihr auf diese Art, bei mir, nicht weiterkommen werdet. Das müsst ihr euch noch verbessern. Du bist nur noch am Leben um ihm das auszurichten!“
Tatsächlich traute Buco seinen Augen nicht, als nur einer von Elf aus der Stadt zurückkehrte, der noch dazu von 2 anderen Kameraden gestützt werden musste. Buco vermutete ein Falle von Nerv. Sein Erstaunen wuchs allerdings ins Unermessliche, als ihm sein Untergebener ganz exakt schilderte, wie sie Kenny getroffen, ihn nicht gleich erkannt und danach von ihm überrascht worden waren. Wie Kenny nur ihn alleine am Leben gelassen hatte, nur damit seine Nachricht Buco erreichte. Buco`s Kinnlade hing schon fast am Boden, als der Soldat mit seinem Bericht fertig war. Sofort schickte er einen Spion los, der die Sache überprüfen sollte. Als dieser dann aber mit der Bestätigung zurückkam, war die Überraschung derartig groß, dass Buco fast von seinem Sitz gefallen wäre. ‚Nun', dachte Buco bei sich ‚ich habe diesen McCoy anscheinend doch unterschätzt. Der General hatte Recht mit dem was er sagte. Mit dem Typ ist nicht gut Kirschen essen. Ich glaube fast, wir müssen unsere Taktik hier ein klein bisschen ändern!'
Dies dauerte nicht besonders lange. Buco`s neue Taktik wurde weniger frontaler, aber um so grausamer und brutaler. An jenem Nachmittag erschütterten vier Explosionen die Stadt. Die Polizei fand die Leichen von vier, Gott sei Dank, alleinstehenden Nerv – Mitarbeitern. Die Bomben schienen ferngezündet worden zu sein, womit man nicht auf die Täter schließen konnte. Was man allerdings wusste, war, dass es sich ausschließlich um Techniker handelte, die alle unter Shinji gearbeitet und damit auch für die Evangelions zuständig gewesen waren. Für Kenny war ganz klar, wer das nur gewesen sein konnte. Dasselbe galt auch für Misato, das sie Nerv abriegelte und alles was an Truppen zur Verfügung stand, zusammenzog. Auch die Merchaneries holten sich alles was sie an Kämpfern in der näheren Umgebung stationiert hatten zusammen. Kenny und Tiko hatten keine Lust mehr, die RDG mit ihren Aktionen durchkommen zu lassen. Besonders Tiko, der seine Angst scheinbar überwunden hatte, schien voller Tatendrang. Allerdings hatte er beim CIO der Merchaneries in dieser Welt seinen Rücktritt als Gruppenführer eingereicht und gleich einen neuen Vorschlag gemacht, wer sein Nachfolger werden solle. Da es wahrscheinlich zum Gefecht kommen würde, musste das jemand sein, der auch eine Taktik ersinnen konnte, mit der man auch gegen eine Übermacht gewinnen konnte, eventuell und das konnte nun mal nur Kenny. Es gab nicht viel, mit dem man diesen überraschen konnte, aber damit schon. Nachdem er aber auch zwei Berater ernennen musste, fiel seine Wahl zwangsläufig wieder auf Tiko und Sanna. Tiko, weil er mit der RDG schon Erfahrung hatte und Sanna, weil sie einfach sehr geschickt beim Umgang mit den Leuten war und ständig alles unter Kontrolle zu haben schien. Nachdem die Formalitäten erledigt waren meinte Kenny nur: „So, und jetzt gilt nur noch eins: Wir ziehen in den Krieg!!“
Bald darauf rückten knapp 50 Mann aus um das RDG – Lager zu finden. Allen voran Kenny, der an diesen Leuten Rache üben und sie damit aus dem Konzept bringen wollte. Vor allen Dingen ging es ihm darum, den Anführer der RDG zu denunzieren bzw. ihm einen gehörigen Respekt ihm gegenüber einzufordern. Tiko hatte da so seine Zweifel, was den Respekt anging, da er sich fast schon vorstellen konnte, wer denn nun diesen Trupp anführen würde, aber er schwieg dazu und ließ sich überraschen.
Es dauerte auch nicht lange, bis sie das Lager gefunden hatten. Kenny tippte sich gegen die Stirn, als ihm Späher berichteten, wo und wie die RDG lagerten. Das Gebiet war perfekt für einen Hinterhalt. Anlocken, Zuschlagen, Verschwinden ohne gesehen zu werden, war hier wirklich perfekt möglich. Die Taktik war, kurz gesagt, unheimlich simpel, aber auch mehr als ergiebig. Kenny rechnete nicht einmal mit Verlusten auf seiner Seite, da es den Gegnern praktisch unmöglich war, den Feind zu sehen und richtig zu reagieren. Ein kleiner Vortrupp wurde ausgesandt, um den RDG zu zeigen, dass sie nicht mehr alleine im Wald waren. Das machten die sehr eindrucksvoll, in dem sie einfach ein paar Granaten ins Lager hinein schleuderten, sicher gingen, gesehen worden zu sein und dann wieder im Dickicht verschwanden. Buco reagierte so, wie Kenny es sich gedacht hatte. Er ließ eine Hälfte ausschwärmen, während die andere Hälfte das Lager absichern musste. Der Rest war relativ einfach. Die RDG – Soldaten waren vielleicht gut ausgebildet, aber ansonsten relativ dumm. Sie fielen ohne lange nachzudenken auf Kenny`s Tricks herein, womit sie im Endeffekt ihr eigenes Grab schaufelten. Zwanzig Minuten später war die Sache zu Ende. Es sei nur soviel gesagt: Keiner der Soldaten, die aus dem Lager ausgerückt waren, kam zurück und es holte sie auch keiner ab. Buco brach auf Grund der Niederlage das Lager ab und zog sich bis an die Staatsgrenze mit den restlichen 100 Leuten zurück und forderte Verstärkung an. General Crump war mehr als ungehalten über die Entwicklung. Er sicherte Buco zwar Nachschub zu, machte ihn aber auch ziemlich zur Sau wegen der Sache. Buco redete sich auf Kenny und dessen Taktik heraus, was den General zwar nicht wirklich beruhigte, aber immerhin ihn zu dem Entschluss brachte, dass diese Sache ein Ende haben musste.
Und als ob an diesem Tag nicht schon genug passiert wäre, mischte sich auch noch SIGNUM ins Geschehen ein. Sie schickten die letzten zu klonenden Engel in die Schlacht. Unter anderem war da ein interessantes Gebilde eines gewissen kubusförmigen Engels an dessen Spitzen sich kleine Doppelhelixe gegen den Uhrzeigersinn drehten. Diese Mischung schien eindeutig gelungen zu sein. Der andere schien von allem etwas zu haben. Er konnte zum Beispiel Körperteile reproduzieren, ging auf 2 Beinen, konnte aber auch fliegen, hatte dehnbare Arme, dessen Hände zu glatten, alles zerschneidenden Flächen verschmelzen konnten usw. und sofort. Es durfte wohl der letzte Einsatz des Super – Evangelion sein. Kenny schien an diesem Tag in Höchstform zu sein. Es sah tatsächlich so aus, als würde aller Erfolg auf seinen Schultern lasten, zumindest an diesem Tag. Wenn er gewusst hätte, was noch folgen sollte, wäre er wohl an diesem Tage im Bett geblieben. Er wütete auf jeden Fall ziemlich. Da man bereits wusste, wie der Kubus – Engel zu bekämpfen war, stellte dieser keine Schwierigkeiten mehr da. Lästig waren nur die kleinen Helixe, die natürlich unbedingt versuchen mussten, in die Psyche des SE einzudringen. Nun, es ist schwierig etwas zu bearbeiten, dass nicht einmal so etwas, wie eine Seele besitzt. Nachdem sie merkten, dass es so nicht ging, vernichteten sie sich selbst, was den SE nicht einmal ankratzte. Das andre Ding war da schon ein größeres Problem. Durch dessen Beweglichkeit, war es Kenny nicht so leicht möglich, ihn zu erwischen. Die Sache mit den alles zerschneidenden Händen war, dass diese am SE doch größeren Schaden anrichteten, als gedacht. Kenny verlor ganz langsam die Geduld mit dem Teil und fing an, es zu zerlegen. Da der Engel aber alles wieder reproduzieren konnte, schien diese Aktion aussichtslos. Es schien aber auch nur so. Kenny verpasste dem Engel einen glatten Durchschuss mit einer zu groß geratenen Schrotflinte und stopfte in das Loch einiges an Sprengmaterial hinein. Kurz darauf zerriss es den Engel von innen und noch während die Teile nur so durch die Gegend flogen, packte Kenny einen Streulaser aus und löschte jedes Teil einzeln aus. Als ob das nicht schon gereicht hätte, packte er eine übergroße Basuka aus und jagte das alte, verlassene SIGNUM – HQ auch noch in die Luft. „Tja, wo gehobelt wird, da fallen Späne!“ War sein einziges Kommentar dazu.
Aber wenn man glaubt, dass dieser Tag damit ein Ende gehabt hätte, irrt man. Vorerst jedoch kehrte Kenny nach Hause zurück, wo er sich nach den Strapazen sich seinen wohlverdienten Schlaf gönnte und auch gleich nachholte. Leider waren ihm nur 4 Stunden davon gegönnt. Es war kurz nach Mitternacht, als ihn das Telefon wieder unsanft aus seinen Träumen und damit auch wieder zurück in die Realität holte. Sanna war dran. Sie meinte, dass Tiko jemanden besuchen gegangen wäre, aber schon längst wieder hätte da sein müssen. Kenny ahnte fürchterliches. Er ließ sich von Sanna den Ort nennen, legte auf, schnappte sich die größte MP, die er im Schrank hatte und Munition, mit der man einen ganzen Krieg hätte alleine gewinnen können und rannte los. Er traf fast gleichzeitig mit Sanna an besagtem Platz ein, wo sich ihm ein grausiges Bild bot. Am Boden lag Tiko und rührte sich nicht. Links und rechts neben ihm standen RDG – Soldaten und stachen mit Messern auf ihn ein. Tiko war bereits tot, daran bestand überhaupt kein Zweifel. In Kenny legte es irgendwo einen Schalter um, der sein Gehirn aus und seine Instinkte einschaltete. Die fünf Personen vor ihnen hörten nur mehr ein verräterisches Klicken. Eine Welle aus Kugeln hüllte auf einmal die kleine Gasse ein. Alle Soldaten bis auf Buco, der als Einziger reagiert hatte, wurden von dem Kugelhagel erfasst und buchstäblich in Fetzen geschossen. Buco selbst trafen ebenfalls einige Kugeln in die Hüfte und die Arme. Trotz allem robbte und kroch er davon, so schnell er konnte. Kenny`s Wut kannte keine Grenzen. Sanna schleppte Tiko`s Leiche weg, kurz darauf begann Kenny in jeden der Soldaten mehr Blei zu pumpen, als man sich nur irgendwie vorstellen kann. Buco, der sich um eine Hausecke gerettet hatte, zeigte einen grauenhaften Ausdruck im Gesicht. Sicher, dass was sie mit Tiko gemacht hatten, war nicht weniger grausam gewesen, aber alleine das, was dieser McCoy mit seinen bereits toten Männern aufführte, war noch um einiges ärger. Buco beschloss, so schnell es ging, von hier zu verschwinden, da er sich nicht Kenny`s Zorn beugen wollte.
Dieser hatte nun endlich aufgehört, Kugeln zu verschwenden und suchte die nähere Umgebung ab. Ein Gürtel eines der Soldaten hatte den Hagel überstanden. Kenny untersuchte ihn und fand einen zusammengefalteten Plan mit dem neuen Versteck SIGNUMs darin. Da dies auch nicht so weit weg war, marschierte er einfach los, ohne Sanna zu sagen, wohin er unterwegs war. Knapp 10 Minuten später verwandelte Kenny eine Wachstube, die voll von SIGNUM – Soldaten war, in einen Schweizer Käse. Jeder der ihm über den Weg lief wurde einfach umgenietet und als er dann auf SIGNUM traf fing selbiges Schauspiel, wie zuvor in der Gasse an. S1 und S2 waren die einzigen, die sich noch durch eine Sicherheitstür retten konnten. Die restlichen sieben lagen keine 3 Sekunden später tot auf dem Boden. Erst nachdem Kenny mit Hilfe von ein paar Handgranaten auch das Gebäude und einige andere Baracken in Schutt und Asche gelegt hatte, verschwand er auf dem selben Weg auf dem er gekommen war. Die minimale Gegenwehr, die versuchte, ihn daran zu hindern, erlebte auch den nächsten Tag nicht mehr.
In dieser Nacht sah man einen einzigen Soldaten mit einer großen Maschinenpistole auf der Schulter durch die Straßen von NT3 wandern. Niemand der ihn aufhalten konnte, keiner der es überhaupt gewagt hätte.
Am nächsten Morgen trafen sich sämtliche Merchaneries im Nerv HQ. Sanna hatte alle zusammengetrommelt. Zusammen mit den Nerv – Sicherheitskräften und Berufssoldaten waren sie zwar nur eine kleine, aber sehr schlagkräftige Armee, die auszog um nun endgültig einen Schlussstrich unter diese Angelegenheit zu ziehen.
Auch auf der anderen Seite wurde vorgerückt. S1 und S2 hatten alles was von ihrer Armee noch übrig war zusammengesammelt und sich damit bis zur RDG durchgeschlagen. Auch diese hatten bereits Verstärkung bekommen und rückten ebenfalls aus. Auf freiem Felde sammelten sich Merchaneries und Nerv auf der einen und RDG und SIGNUM auf der anderen um den jeweils anderen zu vernichten. Kenny hatte Vorbereitungen getroffen und diesen Kampfplatz nicht zufällig gewählt. Er stand vor dem notdürftig auf einer kleinen Bergkuppe eingerichteten Kommandozelt, sah zum gegnerischen Heer hinüber, lächelte und meinte: „Jetzt habt ihr ausgespielt, denn hier ist Endstation für euch. Endgültig Endstation!“ Dann drehte er sich um und ging hinein um Misato seinen Plan zu erklären.
(Fortsetzung folgt…)