"Misato...Misato, Besuch für dich" Shinji sagte das einfach so. Als, ja, als wäre das nichts. Unter Tränen rief sie: "Schick...ihn...rein...Shinji!" Langsam versuchte Misato sich aufzurichten. Ihr Make Up war bestimmt verschmiert. Die Kette, die um ihren Hals hing baumelte leicht hin und her. Da öffnete sich die Tür und Makoto Hyuga trat ein. "Oh, störe ich?" Misato versuchte aufzustehen. Doch ihre Beine Versagten ihr immer noch den Dienst. Na gut! Dann würde sie eben sitzen bleiben. "Nein...nein, ist schon OK. Setzt dich einfach irgendwo hin." Makoto schaute sich um, und setzte sich dann auf den Boden zu ihr. Die Türe hatte er wieder geschlossen. "Was ist mit ihnen, Major Katsuragi. Geht es ihnen nicht gut?" Misato fühlte sich komisch. Dann fing sie plötzlich schrill an zu lachen. Ob es ihr gut ging? OB ES IHR GUT GING? Man sah doch wohl das es ihr nicht gut ging. "Wie kommen sie darauf, das es mir nicht gut gehen könnte? Mir geht es glänzend." Doch dann kamen plötzlich die Tränen wieder. Und sie fing wieder an zu schluchzen. Sie zog ihre Beine an sich heran, und weinte einfach so vor sich hin. Lange Zeit saß sie so.
Sie wusste nicht wie lange, als sie plötzlich jemand von hinten in den Arm nahm, und ihr beruhigende Worte zu flüsterte. "Schhhhh...ist doch gut Major. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber ich will ihnen helfen..." Misato erschrak. Schon wieder jemand der sie verletzen wollte. Sie nahm ihre letzte Kraft zusammen und schob sich langsam von Makoto weg. Dieser ließ sie gewähren. "Wenn sie jemanden brauchen, Major... ich bin immer für sie da..." Dann verließ er das Zimmer. Misato sank wieder auf dem Boden zusammen. Wie hatte er es wagen können, sie zu berühren? Wie konnte er nur? Misato erschrak vor sich selbst. Er hatte es doch nur gut gemeint. Und dabei ohne es zu wollen ihre Seele verletzt. Es schien ihr zur Zeit wie einem Stachelschwein zu gehen. Sie verletzte alle, die ihr helfen wollten. Und alle verletzten sie, ohne es zu wollen. Sie musste dem ein Ende bereiten. Mit einem Arm wischte sie sich über das Gesicht, um die Tränen weg zu wischen. Dann holte sie ihr Schminkzeug heraus und erneuerte ihr Make Up, bis sie wieder einiger maßen ordentlich aussah, und unter die Leute gehen konnte. Dann stand sie af. Ihre Beine zitterten. Immer noch hatte sei kaum Kraft, aber jetzt, jetzt hatte sie eine Entscheidung gefasst. Und die würde sie Durchziehen. Bals würde sie Kaji wieder sehen. Und ihre Eltern. Ihre Mutter... ihren verhassten Vater. Doch, wollte sie das wirklich? Ja entschied sie. Sie wollte. Und sei es nur um die anderen zu schützen. Shinji, und Asuka und... und auch Makoto. Damit sie diese nicht mehr verletzten konnte. Misato schnappte sie das Bild, das sie vor kurzem von sich und Kaji hatte machen lassen, und öffnete dann die Tür ihres Arbeitszimmers. Langsam ging sie zu Shinji, der im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß. Ohne etwas zu sagen nahm sie ihre Kette, und hängte sie Shinji um. Dann verließ sie das Haus. Aus einem Augenwinkel heraus sah sie, wie shinji zu Telefon ging. Doch dann hatte sich die Tür wieder geschlossen.
Misato ging Richtung Aufzug, und fuhr in die oberste Etage. Sie hatte ihre Entscheidung gefasst, und niemand würde sie mehr aufhalten. Nein, niemand. Als sie auf dem Dach angekommen war zitterten ihre Beine wieder. Ein kalter Wind empfing sie, als sie die schützende Überdachung, unter der der Aufzug geendet hatte, verließ. Langsam ging sie zum Rand des Flachdaches. Als sie hinunter schaute, in den Abgrund schüttelte es sie. So tief. Ihr war die bewusste gewesen, das 25 Stockwerke so hoch lagen. Aber gut. Sie würde einen schönen Flug haben. Auch wenn sie schon nach einigen Sekunden in Ohnmacht fallen und nichts mehr mitkriegen würde, würde sie den Fall genießen. Sie holte das Bild von Kaji heraus und schaute es sich noch einmal gut an. Wie tief Kajis Augen auf dem Bild wirkten. Bald würde sei wieder in seinen Armen liegen, und ihn nie wieder loslassen. Langsam fing Misato and das Bild zu zerreißen, doch bevor sie die beiden lächelnden Gesichter auf dem Papier zerstören konnte riss der Wind ihr das Bild aus der Hand. Misato schaute dem Bild lange hinterher. Dann blickte sie wieder auf die Straße hinunter. Die Straße war schon voller Flecken. Viele Menschen waren schon von hier gesprungen, und auch von ihr würde nicht mehr übrig bleiben, als ein Dunkler Fleck auf dem Asphalt.
Vorsichtig stellte sich Misato an den Rand des Daches. Sie wollte springen, nicht fallen. Da hörte sie plötzlich von hinten eine Stimme. "Nein, Misato... nicht!" Jemand stürzte von hinten auf sie zu. Sie fühlte es. Auch wenn sie sich nicht Umdrehte um ihn zu sehen. Sie wusste auch so wer es war. Makoto. Shinji musste IHN angerufen haben. "Bleib stehen, sonst springe ich" drohte sie. "Du wirst auch springen wenn ich stehen bleibe, also wieso sollte ich das tun?" Makoto kam langsam immer näher. "BLEIB STEHEN!!" Misato war nun sichtlich in Panik. Sie wollte allein sein, wenn sie sprang. Wie konnte Makoto es wagen, sie davon abhalten zu wollen. Er war nur noch einen knappen Meter von ihr entfernt. Wenn sie jetzt nicht sprang würde er sie halten. Sie sah die Laute, die unten auf der Straße stehen geblieben waren. Sie sah bekannte Gesichter. Ritsuko stand da unten, und hielt Maya im Arm, die zu weinen schien. Auch Shinji war unten. Und Rei. Plötzlich spürte sie wie Angst in ihr aufstieg. Da hielt sie plötzlich Makoto von hinten fest und riss sie zurück. Beide landeten auf dem Boden des Daches. Wie konnte er es nur wagen sie festzuhalten. Da brachen wieder die Tränen aus ihr heraus und als Makoto sie diesmal an sich drückte weinte sie sich an seiner Schulter aus. Die dunklen schweren Wolken, die über der Stadt hingen drückten genau ihre Stimmung aus. Langsam beruhigte sie sich, und als sie aufblickte sah sie genau in Makotos Augen. Und plötzlich konnte sie nicht mehr anders. Sie musste ich jetzt küssen. Und das tat sie auch. Zuerst schien er etwas erstaunt und schien sie nur zu erdulden, doch dann erwiderte er ihren Kuss. Und in diesem Moment riss die Wolkendecke auf und ein Sonnenstrahl fiel direkt auf sie und Makoto, in dessen Armen sie sich plötzlich so sicher fühlte.