Neon Genesis Evangelion 2

Episode 2: Liebe
Teil 2

Misato wurde von Ritsuko in ihr Büro gerufen. Misato kam leicht genervt ins Büro, weil sie wegen Sho´s Aufnahme bei NERV eine Menge Papierkram erledigen musste, wofür sie Stunden gebraucht hatte. Ritsuko saß an ihrem Arbeitstisch und arbeitete am Computer. „Und? Worüber wolltest du mit mir sprechen?“ fragte Misato mit gestresster Stimme. „Ich habe vorhin mit dem Kommandanten geredet und hab ihn um Sho´s Akte gefragt, da ich glaubte, dass es bestimmt eine gibt. Und die wollte ich dir zeigen. Mich hat sie verwirrt.“ Ritsuko drehte den Bildschirm des PCs so, dass Misato besser draufschauen konnte. „Das ist seine Akte? Ist dass nicht etwas wenig?“ fragte Misato ungläubig und Ritsuko erklärte: „Ich glaube es ist genauso wie bei Rei. Keine Daten über seine Vergangenheit. Nur das hier.“ Ritsuko zeigte mit einem Kugelschreiber auf einige Textzeilen. „Aber das sind ja nur zwei Lebensdaten.“ Misato schaute die Daten an und war verwirrt. „Geboren 1999. Gestorben 2008. Was zum Teufel ist das? Er lebt doch.“ Ritsuko tippte auf dem Keyboard herum und ein weiterer Teil der Akte erschien. „Was ist das?“ fragte Misato. „Das ist ein anderer Teil seiner Akte, der, soweit ich das sehe, gelöscht werden sollte, aber nicht sehr gründlich. Ich habe ein Bild von Sho gefunden. Aus seinem Geburtsjahr.“ Ritsuko klickte die fragmentierten Seiten weg, bis das Foto erschien. „Das gibt es doch nicht.“ Misato schaute ungläubig auf sein Bild. „Er…er sieht ja genauso aus wie jetzt. Vielleicht ein bisschen jünger, aber genauso wie jetzt.“ „Der Kommandant hat mir das nicht beantwortet. Wahrscheinlich steckt mehr hinter dem Mysterium Sho als wir denken. Irgendwas soll nicht entdeckt werden. Wer sind diese Seigo-Legionen, von denen Sho und Ikari geredet haben? Wer oder was ist Sho wirklich? Warum ist er nach seiner Akte tot?“ Misato schaute Ritsuko an und überlegte kurz, dann knallte sie ihre Hände zusammen und sagte: „Ich werde Sho zur Rede stellen. So werde ich bestimmt etwas herausfinden.“ Aber Ritsuko warnte sie noch: „Pass aber auf, der Kommandant hat gesagt, dass man ihm nicht vertrauen kann, er scheint gefährlich zu sein. Hinterhältig. Vielleicht sogar ein Feind.“ „Egal, ich tu es trotzdem. Ich möchte die Wahrheit wissen.“ Misato stürmte aus dem Raum und die Tür knallte zu. Sie wusste wo Sho war, denn sie hatte ihn vor kurzem auf dem Weg zu Ritsuko getroffen und sie glaubte, dass er auf dem Weg zu den Cages war.

Sho stand währenddessen im Cage, wo EVA-01 im Gefrierstatus stand. Sho lächelte und schaute mit fröhlichem Blick auf EVA-01 und begann zu sagen: „Wir haben uns sehr lange nicht mehr gesehen. Es ist wirklich schön dich mal wiederzutreffen, Yui. Ich hätte es zwar anders gewollt, aber man kann ja nicht alles haben. Du kannst dir sicher vorstellen, warum ich hier bin. Ich kann nicht zulassen, dass der Third Impact ausgelöst wird. Mit meiner Macht kann ich das schaffen.“ Sho´s Blick wurde leicht traurig. „ Du warst immer so gut zu mir. Du warst so was wie eine Mutter für mich. Ich kenne dich seit ich sehen kann. Ich…Ich glaube sogar, dass ich dich liebe, wie ein Sohn seine Mutter. Gendo weis nicht, was er für ein Unheil heraufbeschwören wird, wenn er seinen Plan durchführt. Die Dunkelheit wird stärker sein, wenn die EVAs nicht mehr da sind. Erst, wenn sie vernichtet ist wird alles anders werden. Frieden wird dann herrschen. Es wird schön werden.“ Sho hörte auf einmal, wie jemand eine Waffe auf ihn richtete und schaute zur Seite. Misato zielte mit ernstem Blick auf Sho und fragte: „Wer oder was bist du wirklich?“ Sho drehte sich zu ihr um und sagte mit fröhlicher Stimme: „Ich habe ihnen nur die Wahrheit gesagt. Ich verberge nichts.“ „Ach ja? Dann kannst du mir ja ein paar Fragen beantworten.“ meinte Misato und fuhr fort: „Wer sind die Seigo Legionen?“ Sho sah sie kurz an und dann auf ihre Waffe: „Sie brauchen die nicht.“ Misato entgegnete aber: „O Nein, ich steck meine Waffe nicht weg. Man hat mich vor dir gewarnt.“ Nach einer kurzen Pause sagte Sho: „Ach so. Dr. Akagi hat ihnen gesagt, dass ich vielleicht ein Feind bin und sie hat es von Ikari erfahren, dass man mir nicht trauen kann. Na ja, ich kann nur sagen, dass ich eigentlich ungefährlich bin.“ Misato schaute Sho schräg an und fragte: „Woher weist du, was Ritsuko mir gesagt hat?“ Sho tippte sich gegen den Kopf und erklärte ruhig: „Ich bin ein Telepath und habe ihre Gedanken gehört.“ Misato schreckte zurück: „W…Wie? Wie ist das möglich? Was zum Teufel bist du?“ Sho lächelte wieder und wich ihrer Frage aus: „Zurück zu ihrer Frage von vorhin. Die Seigo sind eine ehemalige Geheimorganisation, die zusammen mit SEELE die Regierungen aus dem Schatten gelenkt haben. Sie verschwand nach dem Second Impact in den Weltraum. Sie sind meine Schöpfer.“ „Deine Schöpfer? Dann siehst du auf dem Bild in deiner Akte genauso aus wie jetzt, weil du ein künstlicher Mensch bist?“ fragte Misato mit einer leicht verwirrten Stimme und Sho antwortete prompt und direkt: „Ja, aber eigentlich bin ich ein Hybrid.“ „Ein Hybrid? Von was?“ Misato schritt ein wenig zurück. „Von einem Menschen und einem Wesen, das vor einigen Jahren im Golf von Mexiko gefunden wurde. Ihr Lil…ähm, ihr würdet es einen Engel nennen.“ Bei Sho´s Antwort erstarrte Misato vor Angst und stammelte: „D…Du b…bist ein E…E…Engel?“ Sho sagte nur kurz: „So ähnlich. Man nennt mich auch einen Nephilm.“ Sho kam näher. Langsam. „Bleib weg! Ich werde schießen!“ warnte sie Sho, aber er sagte nur kalt: „Ich werde euch nichts tun. Ich bin hier um euch zu helfen, nur dass ist mein Auftrag.“ Er lächelte erheiternd. Misato´s Hände zitterten. Angst. „Sie brauchen wirklich keine Angst vor mir zu haben. Ich bin zum Schutz der Menschheit geschaffen worden. Das ist meine Aufgabe für alle Zeiten.“ Sho streckte seine Hand nach vorne und machte eine Geste, die Misato zeigte, dass Sho es ehrlich meint, denn er zeigt eine zurückhaltende Geste. Er hatte immer noch sein fröhliches Lächeln aufgesetzt. Er sagte noch: „Ich freue mich wirklich mit ihnen zusammen zu arbeiten.“ Misato begann langsam Vertrauen zu bekommen und nahm ihre Waffe runter. „Mann. Du kannst aber gut überzeugen. OK. Ich glaube man kann dir doch vertrauen. Ich hatte wirklich meine Zweifel und dass du ein Engel…äh, ein Halbengel bist hat mich doch sehr verstört, aber du bist wirklich in Ordnung. Ich behalte doch meine anfängliche gute Meinung über dich. Ach ja. Du darfst mich ruhig Misato nennen. Ich finde, dass das die Zusammenarbeit verbessert, wo du ja ein Pilot bist und ich deine neue Vorgesetzte bin.“ Schließlich sicherte sie ihre Waffe und steckte sie in einer schnellen Bewegung weg. Sho ging mit langsamen Schritten auf sie zu und bat sie mit ihm zu kommen.

Auf dem Weg zum Fahrstuhl sprachen beide kein Wort, aber Sho musste immer wieder Misato´s lauten Gedanken mit anhören. Es störte ihn kaum, da er es nicht verhindern kann, weil er meistens seine telepatischen Kräfte unterdrücken kann. Ihre Gedanken waren völlig unwichtig. Als beide schließlich vorm Fahrstuhl standen und die Türen aufgingen, begann Sho plötzlich: „Noch mal wegen den Seigo. Sie haben ihre DNS verändert, um sich von den Menschen abzuheben und ihren Drang nach Perfektion zu befriedigen. Man muss ihre Anlagen zur DNS-Manipulation gesehen haben, um zu verstehen. Es erschreckt mich, wie sehr sie sich verändern und verbessern. Sie sind besessen davon. Trotz all ihrer genetischen Veränderungen haben sie sich äußerlich kaum verändert.“ Die Türen zum Fahrstuhl öffneten sich und Sho ging hinein. Misato zögerte etwas, um die plötzlichen Informationen zu verarbeiten. Warum hat er ihr dass erzählt? „Was ist?“ fragte Sho. „Ach, nichts.“ Sagte Misato nur und Machte die wenigen Schritte in den Fahrstuhl. „Warum ich ihnen das gesagt habe, wollen Sie wissen?“ kam es Sho über die Lippen. Misato schaute verwundert auf und Sho fuhr fort: „Sie sollten wissen, dass die Seigo-Legionen schon auf dem Weg zurück zur Erde sind und ich wollte noch sagen, wie sie aussehen und woran man einen Seigo erkennt. Sie haben gelbe Augen. Alle. Das ist das Hauptmerkmal an den Seigo. Die gelben Augen.“ Die Türen öffneten sich wieder und Sho bewegte sich aus dem Fahrstuhl. „So, ich muss noch was erledigen. Bis dann.“ Und schon war er weg. Misato blieb weiterhin verwundert im Fahrstuhl und dachte wieder. Die Türen schlossen sich wieder mit einem leisen scharrenden Geräusch.

Shinji schaute von einem einsamen Platz auf einem Berg hinunter auf Tokio 3. Trauriger Blick. Er stützte sich mit seinen Armen auf ein Geländer. Auf einmal hörte er Schritte hinter sich, die sich leicht auf dem sandigen Boden bewegten. Dann hörte er eine sanft klingende Stimme fragen: „Bist du Shinji Ikari?“ Er drehte seinen Kopf ein wenig und sah neben sich einen Jugendlichen. Er sah etwas älter aus als er und war auch ein bisschen größer. Er trug die Schuluniform seiner Schule. Das Hemd war aber leicht zerknittert. Das war aber nicht das einzig Unordentliche. Seine schwarzen Haare waren leicht zerzaust und man konnte sehen, dass schon versucht wurde mit den Fingern die Haare zu richten, was aber vergeblich war. Er trug schwarze Schuhe und dazu weiße Socken. Unter dem weißen Schulhemd sah Shinji ein schwarzes Hemd mit Einem roten Streifen unterm Kragen. Seine Haut war blässlich und hatte einen japanischen Touch. Sein Körper sah nicht gerade muskulös aus, aber auch nicht gerade schwach. Seine Hände hielt der Junge in seinen Hosentaschen. Und dann sah Shinji in sein Gesicht. Rote Augen. Sie stachen Shinji ins Auge. Genau wie bei Rei. Der Junge lächelte und schaute ihn an und sagte dann mit freundlicher Stimme: „Ich wusste dass du Shinji bist. Ich hab's gewusst. Du bist groß geworden.“ Shinji sagte nur ungläubig: „Wer bist du und woher kennst du mich?“ Er drehte sich zu Shinji hin. „Ich bin Rei`s großer Bruder Sho Ayanami. Ich bin…nun ja, ein Bekannter, aber du kennst mich wahrscheinlich nicht. Ich hab dich nur ein paar Mal gesehen. Du erinnerst dich bestimmt nicht an mich. Du warst noch zu Jung.“ Sho lehnte sich nach vorne und legte auch seine Arme auf das Geländer. Shinji schaute erstaunt auf Sho und fragte: „Du bist der Bruder von Rei. Ich hab noch nie jemanden von dir reden gehört. Und was machst du hier?“ Sho schaute Shinji wieder an und antwortete schließlich: „Ich wurde für tot erklärt und mache Leute reden nicht sehr gerne von mir. Ist aber auch egal. Ich bin außerdem auch EVA-Pilot. Ich bin das Last Children und ich bin hier um euch natürlich im Kampf gegen die Engel zu unterstützen. Ich hoffe wir kommen gut miteinander aus.“ Sho lächelte wieder und Shinji lächelte zurück. Seit langem freute er sich über jemanden, der wieder Freude verbreiten möchte. Im Augenblick, als Shinji etwas sagen wollte sagte Sho: „Eins musst du aber noch wissen. Ich mache kein Geheimnis daraus. Ich bin zum Teil ein Engel. Also zum Teil der Feind. Aber du kannst mir vertrauen.“

Fortsetzung folgt!