DARK WORLD

Prolog

Wir befinden uns im Jahre 2016 A.D. Die Welt nach dem Fast-3rd-Impact. Die wenigen Überlebenden versuchen sich krampfhaft eine neue bessere Zukunft aufzubauen. Der Hass auf die Verursacher ist mehr als groß. Es wird eine Truppe ins Leben gerufen, die die Menschen vor einem neuerlichen Aufkommen der Ideen von Nerv schützen soll. Die A.N.S.T. (Anti Nerv Schutz-Truppe). Das Aufbauen der besseren Zukunft ist allerdings schwieriger, als man es sich vorstellt. Hunger und Obdachlosigkeit machen den Leuten zu schaffen und die Hoffnung schwindet von Tag zu Tag.
In dieser Zeit und an jenem Ort versucht ein Junge zu überleben. Noch weiß er nicht, dass er derjenige sein wird, der diese Menschen von ihren Qualen befreien wird. Diese Menschen, die ihn für den Hauptverantwortlichen an der Sache halten. Und so blickt dieser Junge einer ungewissen Zukunft entgegen.

Episode 01 – Die Suche beginnt

Ich erwachte nach quälender, alptraumgeschüttelter Nacht. Ich zitterte und mir war unheimlich kalt. Der Grund dafür war ganz einfach, dass ich mir keine Heizung leisten konnte. In meiner Baracke, die ich mir selber zusammengebaut hatte gab es so etwas nun einmal nicht. Es war ausserdem gefährlich am Abend das Feuer zu lange brennen zu lassen, denn die A.N.S.T. Agenten waren überall. Ich weiß nicht, ob ich wieder im Traum geschrieen habe. Die Gespenster der Vergangenheit verfolgen mich seit damals und ich werde sie einfach nicht los. Alles scheint sich gegen mich verschworen zu haben. Den Namen Ikari habe ich schon vor langer Zeit abgelegt, da er einfach zu gefährlich wurde. Die meisten Leute in dem was einmal Neo Tokio 3 war kennen mein Gesicht und schlagen sofort Alarm. Es ist nicht einfach so zu leben, aber wer könnte es ihnen verdenken? Ich ganz bestimmt nicht. Ich würde wohl genauso reagieren, wenn ich sie wäre. Schließlich war ja ich es, der zugelassen hat, dass Rei den Impact auslöste. Ich weiß nicht, woran es gelegen hat, dass sie nicht beenden konnte, was sie anfing. Ich wachte an einem Strand auf und sah noch kurz Asuka`s Gesicht, hörte ihre Stimme und brach dann bewusstlos zusammen. Als ich wieder aufwachte, war sie verschwunden und ich weiß nicht wohin. Der Einzige, der Nerv Angehöriger war und noch in NT 3 war als A.N.S.T. die Kontrolle übernahm, war ich. Was mit den Anderen passiert ist, weiß niemand mehr. Es dauerte nicht lange bis sie dahinter kamen wer ich war und so floh ich an jenen Ort, den ich nun seit fast 10 Monaten mein zu Hause nennen kann. Der Einzige Ort, an dem sie mich noch nicht gesucht haben und es wahrscheinlich auch nicht tun werden. Ich hörte Gerüchte, dass keiner der Agenten jemals einen Nerv-Angehörigen gefasst haben soll, aber sie spielen sich auf, als wären sie die alles beherrschende Macht auf diesem Planeten.

Auch an diesem Tag stellte ich mir dieselbe Frage, wie an den anderen davor seit ich hier war: Hatte einer der Anderen überlebt? Hatte ich eine Chance einen meiner Freunde je wieder zu sehen? Einen Hoffnungsschimmer hatte ich seit jeher. Asuka musste noch am Leben sein. Natürlich wusste ich nicht, ob ich damals am Strand einer Täuschung unterlegen war oder nicht, aber ein Gefühl sagte mir, dass sie noch lebte, irgendwo. Und wie jeden Tag seit dem 3rd Impact fing ich an Beweise oder vielmehr Spuren zu suchen, die darauf schließen ließen, ob oder wo meine Freunde am Leben sein könnten. Also legte ich die Kutte um, die ich irgendwo gefunden hatte, verdeckte somit mein Gesicht und ging auf Umwegen in die Stadt. Zu jener Zeit liefen wirklich viele Leute mit solchen Kutten durch die Gegend, als war es das beste Mittel gewesen unentdeckt zu bleiben. Die A.N.S.T. war wirklich überall. Sie kontrollierten alles und jeden, der auf den normalen Wegen in die Stadt hineinkommen wollte. Gott sei Dank kannte ich gewisse Wege, von denen die Agenten keine Ahnung hatten, die einen aber, ohne dabei gesehen zu werden, an jeden Punkt der Stadt bringen konnten. Heute hatte ich ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen: den Bunker Nummer 4 im östlichen Stadtgebiet und damit in Hafennähe. Die Traveller würden heute zurückkommen. Traveller waren Leute, Männer und Frauen, die ausgeschickt wurden um andere Kontinente zu besuchen um nach Überlebenden zu suchen. Sie waren die einzigen, ausser den Agenten, die das tun durften. Dabei waren diese Leute aber auch die grundehrlichsten und verschwiegensten Menschen, die es gab, einer davon ganz besonders, denn dieser war so ziemlich der einzige Mensch, der wusste, wer ich war und wo ich mich befand. Nummer 49. Diese Leute hatten statt Namen Nummern um sich nicht selbst zu gefährden. Und für jeden hatten sie eine andere Nummer. Für mich war er 49, für einen anderen vielleicht 36 und für den nächsten 103 oder 209. Letztendlich war das nur eine Vorsichtsmaßnahme, dass A.N.S.T. nicht mitbekam, hinter welcher Nummer, sich welcher Mann versteckte. Die Traveller untereinander waren eine eingeschworene Gesellschaft. Keiner ließ den anderen hängen und umgekehrt. Und niemand, wirklich absolut keiner von ihnen hätte ein Geheimnis weitergegeben, an jemanden, der seine Schlüsse daraus ziehen und damit etwas anfangen konnte. Aber die einzigen die Fragen stellten, waren die Agenten. Sonst tat das eh so gut wie niemand.
So saß ich also in diesem Bunker und wartete. Ich hatte diesen Bunker einmal entdeckt, als damals im Nerv HQ der Strom ausgefallen war und wir alle völlig im dunkeln tappten. Ich hatte Angst und Asuka hat um sich geschrieen und gezetert und gemotzt und was weiß ich, was noch alles. Auf jeden Fall war sie sehr laut geworden. Dann auf einmal, dachte ich, wir wären alle durch die selbe Tür gegangen, aber komisch, ich konnte Asuka nicht mehr hören. Dann ging doch auf einmal wieder das Licht an und ich fand mich in eben diesem Bunker wieder. Ich hab mindestens 3 Stunden gebraucht um die anderen wieder zu finden. Irgendwann hab ich den Bunker dann benutzt um mich von der Welt abzuschotten. Die einzige, die mich einmal dort gefunden hat, war Rei und ich weiß bis heute noch nicht, wie sie das geschafft hat.
Draussen am Eingang hing ein Stück Stoff an der Klinke. Ein Zeichen für den Traveller auf den ich wartete. Nun so etwas konnte lange dauern, bis er sich einmal von allen abgesetzt hatte und dann unbemerkt herkommen konnte. Irgendwie hatte er es noch jedes Mal geschafft aber ich war mir nicht ganz so sicher, ob er es diesmal schaffen konnte. Die Agenten waren heute zahlreich vertreten. Das wusste ich, da es in diesem Bunker so etwas wie einen Ausguck gab, mit dem man auch gewisse Dinger heran zoomen konnte. Ich wusste immer ziemlich genau, was sie draussen abspielte, da es auch nötig war, wenn jemand diese Versteck bemerken sollte. Würde ich nicht aufpassen, konnte es sein, dass sie mich in die Finger bekamen und dann war alles aus. Ich hatte 49 schon gesehen. Er hatte nur ganz kurz in meine Richtung gesehen, hatte scheinbar den Stofffetzen bemerkt und sich danach wieder, wie beiläufig umgedreht als einer der Agenten auf ihn zuging, sich dann umdrehte, ebenfalls in meine sah, verständnislos den Kopf schüttelte und wieder von dannen zog. Das musste nicht bedeuten, dass ich in Sicherheit war. Diese Typen spielten ziemlich viel Theater um die Leute abzulenken, aber mich konnten sie nicht täuschen. Es dauerte keine zehn Minuten, nachdem 49 aus meinem Blickfeld verschwunden war, da kamen schon wieder 3 andere Agenten um die Ecke und starrten in meine Richtung. Sie schienen angestrengt zu überlegen, dann fuhr auf einmal ein Wagen vor, die drei stiegen ein und der Wagen verschwand ganz langsam um die nächste Ecke. Dieses Spiel würde sich nun in den nächsten 2 Stunden 4-mal wiederholen und zwar pünktlich, jede halbe Stunde. Ich kannte ihre Taktik schon in- und auswendig. Diese Typen sahen dämlicher aus, als sie waren. Das Problem war, dass man sie nicht aus einander halten konnte. Schwarzer Anzug, schwarze Krawatte, schwarze Sonnenbrille (wurde von ihnen getragen, selbst wenn es regnete oder dichtester Nebel war), Seitenscheitel nach links und zwar ausnahmslos alle. Seltsamer Weise hatten alle auch dieselbe Größe und Statur. Und was noch auffällig war: es schien nur männliche Agenten zu geben, keine Frauen. Wirklich komisch.

Ich musste rund gute 5 Stunden warten, dann klopfte es vom anderen Eingang her und 49 öffnete die Tür. Er ließ sich sofort auf einen Sessel sinken und sah mich auffordernd an. Sofort griff ich unter meinen Umhang und holte ein kleines Päckchen hervor. 49 öffnete es und atmete erleichtert durch. „Gott sei Dank, er hat es noch! Jetzt bin ich erleichtert. Ich hatte zwar bedenken, aber ich wusste irgendwie, dass es bei dir sicher sein würde!“ – „Dabei sind die Agenten so vorsichtig geworden. Sie suchen jetzt gründlicher als früher!“ – „Wem sagst du das, Shinji, wem sagst du das! Aber erzähl mal, mit was für Informationen kann ich dir behilflich sein?“ – „Leider immer noch dasselbe, wie letztes Mal. Hast du was erfahren, ob noch Nerv Leute am Leben sind, mit denen ich mich in Verbindung setzten könnte bzw. ob noch Freunde von mir am Leben sind?“ 49 schien zu überlegen, zog dann einen kleinen Block aus der Innentasche seiner Jacke und blätterte darin. Dann hellte sich sein Gesicht auf einmal auf. „Ich kann dir sogar sehr viel erzählen. Es ist mehr als nur einer am Leben. Allerdings verstecken sie sich und wollen eigentlich nichts mehr damit zu tun haben. Es gibt allerdings eine, die sogar nach dir sucht!“ Was? Mehrere lebten und jemand suchte nach mir? Wie war das möglich? Es wusste doch niemand, ausser 49, dass ich am Leben war und nach den Anderen suchte. Das einzige, was ich heraus brachte war nur: „Wer? Wo? Komm schon, mach es nicht so spannend!“ 49 lehnte sich zurück. „Was wäre, wenn ich dir sage, dass Asuka noch am Leben wäre?“ Ich musste ihn wohl mehr als ungläubig anstarren, denn er fing ziemlich heftig zu lachen an, was ich bei ihm überhaupt noch nie gesehen hatte. Es dauerte eine Weile bis er sich wieder beruhigt hatte. „Es ist wahr. Sie lebt in dem Gebiet, dass einmal Deutschland war. Nach dem Impact schaffte sie es irgendwie, dorthin zu kommen. Ihr Problem ist jetzt, dass A.N.S.T. in diesem Land sehr stark ist und überdies auch noch weiß, dass sie sich dort irgendwo versteckt. Allerdings wissen sie nicht, dass du noch lebst. Es gab dort einen Doppelgänger, der dir wirklich verdammt ähnlich sah. Er wurde geschnappt und erschossen. Seither sind noch mehr Doppelgänger aufgetaucht und daher, würde man dich dort so richtig übersehen.“ Ich war ein kleines bisschen durcheinander. „Aber warum suchen die Agenten hier immer noch nach mir, wenn ich ja, wie du sagst, tot sein soll?“ – „Dass lässt sich auch leicht erklären. A.N.S.T. ist sehr chaotisch organisiert. Der eine Staat weiß nichts von den anderen. Daher kommt das. In Deutschland wärest du sicher. Dort hat Asuka ein Problem. Es ist ein Wunder, dass sie sie noch nicht geschnappt haben. Aber wie gesagt, sie kommt nicht raus, ohne gesehen zu werden. Und als sie von deinem Tod hörte, brach sie richtiggehend zusammen und zog sich vollkommen zurück. Ihre Freunde mussten sie daran hindern, nicht gleich zum nächsten Agenten zu laufen, um sich zu stellen. Jetzt liegt es an dir!“
Ich war so richtig geschockt und überrascht zu gleich. Nie hätte ich gedacht, dass Asuka mich suchen würde, schon gar nicht nach dem was wir mit einander erlebt hatten. Selbst dass mein Tod ihr nahe gegangen sein sollte, wunderte mich doch sehr. Scheinbar hatte der Impact uns alle ein bisschen verändert. 49 schwieg jetzt für eine Weile. Das lange reden schien ihn müde gemacht zu haben und ich konnte es ihm nicht verdenken. Etwas brannte mir allerdings noch auf der Zunge. Etwas, dass ich ihn noch fragen musste. Zunächst allerdings stand ich auf und ging zu einem der desolaten Schränken in dem Bunker. Aus der obersten Lade zauberte ich zwei Dosen mit Cola hervor. Sie waren aus einem Care – Paket, dass ich einmal auf meinen Streifzügen gefunden hatte. Es war zwar noch mehr darin, aber es überraschte 49 schon sehr, als ich ihm eine Dose hinhielt, mir selber die andere anriss und eine großen Zug nahm. Es sah mich mehr als perplex an. „Wo hast du denn die Dosen her? Ich hab so was das letzte Mal vor einigen Monaten gesehen!“ Ich grinste nur und fragte dann, als auch er einmal getrunken hatte: „Eine Frage hab ich noch: Wie komme ich nach Deutschland, ohne Aufsehen zu erregen?“ 49 musste nicht lange nachdenken um mir eine Antwort zu geben. „Da gibt es nur eines, Shinji. Ein Black – Ship. Das ist die einzige Möglichkeit. Dein Problem dabei könnte allerdings sein, dass du nichts hast, was irgendwie von Wert ist. So etwas braucht man nämlich für den Black Operator, also praktisch den Schlepper, wenn du so willst. Der Typ wird sich alleine schon wegen deiner Person nicht nur mit ein paar Münzen zufrieden geben, so wie er es bei anderen tut. Hinter dem östlichen Wald gibt es eine Bucht, von wo ständig ein Schiff zwischen diesem und anderen Kontinenten pendelt, je nach dem wie viele dorthin kommen. Ich kann dir einen Platz besorgen, aber du musst mir irgendwas von Wert mitgeben, sonst wird das nichts.“ – „Was meinst du mit „Dingen von Wert“?“ 49 überlegte. „Nun ja, eben alles, wo man Profit draus schlagen kann. Solche Sachen wie Schmuck, Geld, Gold oder vergoldete Gegenstände, Silber und versilberte Gegenstände. Dasselbe ist es bei Platin und Bronze. Unter anderem werden als Bezahlung auch Dinge genommen, die einem eine Vorteil gegenüber anderen verschaffen. Agenten – Uniformen, Passierscheine, usw. Besonders begehrt sind Nerv – Dokumente, die Aufschluss geben über die Dinge, die bei Nerv abgelaufen sind. Das lässt sich wunderbar an die A.N.S.T. – Leute verscherbeln, weil die das aufkaufen, als wäre es reines Gold. Ja, das dürfte wohl alles sein!“ Erleichtert atmete ich durch. Ganz so unwissend, wie mich mein Vater gerne gehabt hätte damals, war ich ja nicht gewesen. Unter anderem wusste ich wo er seine Wertsachen aufbewahrt hatte und wo die liquiden Geldmittel von Nerv lagerten. Auch was solche Dokumente anging, konnte ich mir auch schon denken, wo etwas zu finden war. „49, wie lange bist du noch in der Stadt?“ – „Ungefähr die nächsten vier Tage, warum?“ – „Wir treffen uns morgen Abend wieder hier. Ich besorge mir Geldmittel und du machst dann für mich die Reise klar. Ist das ein Deal?“ – „Ich weiß zwar nicht, wie du das schaffen willst, aber gut, warum nicht. Also morgen Abend wieder hier!“ Damit stand er auf, nickte mir zu, wie es bei Travellern übrig war, und verließ den Bunker so, wie er ihn betreten hatte. Ich wartete einige Minuten, dann machte auch ich mich auf die Socken, dass sie qualmten, denn um das zu tun, was ich mir vorgenommen hatte, musste ich gewisse Vorbereitungen treffen. Ich ging in das, was ich für mein Zuhause hielt, packte alles zusammen, was für mich persönlich von Wert war und stopfte es in einen kleinen Rucksack. Ich schnappte mir einen kleinen Beutel und marschierte wieder in Richtung Stadt, diesmal allerdings oberirdisch. So ziemlich alle Eingänge zum Hauptquartier waren oberirdisch angelegt worden, warum das allerdings so war entzog sich weitgehend meiner Kenntnis. Die Agenten überwachten komischer Weise nur die Haupteingänge, aber es gab da welche, die sie nicht überwachen konnten, weil sie sie nicht kannten bzw. keine Ahnung hatten, dass sie überhaupt exsistierten.

Als ich den ehemaligen Nerv – Komplex wieder verließ war ich mehr als zufrieden. Gendo Ikari war kein dummer Mann gewesen. Ganz im Gegenteil hatte mein Vater einiges an Geldreserven zurückgelegt und da Yen immer noch akzeptiert wurden, durfte dies keine Probleme geben. Unter anderem hatte ich auch ein bisschen Gold, Silber und Bronze gefunden. Teile der Evangelions hatten damals aus diesen Materialien bestanden und ich hatte gewusst, dass noch ein wenig Restmaterial existierte. So ging ich zurück zu meiner Baracke, holte dort den Sack mit meinen Habseligkeiten ab, checkte noch einmal, ob ich eh nichts zurückgelassen hatte, dass einen Hinweis auf mich geben konnte und verschwand dann für immer. Im Bunker wieder angekommen, machte ich mich über die Reste des Care – Paketes her. Irgendwie hatte ich so das Gefühl, als ob ich meine Kräfte in der nächsten Zeit noch brauchen würde und da ich sowieso nicht mehr zurückkommen würde, schien es mir auch nicht der Mühe wert, irgendetwas davon übrig zu lassen. So verbrachte ich den Abend und auch fast den ganzen nächsten Tag im Bunker, ohne, dass mich jemand entdeckt hätte, oder dass irgendetwas von Belang passiert wäre. Ich hätte es wohl auch nicht wirklich mitbekommen, da ich wirklich ständig schlief. Gegen Abend weckte mich dann 49. Ich hatte nicht einmal mitbekommen, wie er das Zimmer betreten hatte. „Für deine Fahrt ist alles organisiert. Das einzige, das fehlt, ist die Bezahlung!“ Ich griff in meinen Seesack und beförderte einen dicken fetten Umschlag zu Tage und reichte ihn 49. Er lugte hinein und es dauerte lange, bis er sich von seinem Schock erholt hatte. „Wo hast du nur das viele Geld her? Hast du ne Bank geknackt?“ Ich blieb ihm die Antwort schuldig. „Unwichtig. Wann können wir los?“ 49 stand sofort wieder auf. „Sofort. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Das Schiff geht in einer Stunde. Trotzdem wäre es besser, wenn du dich während der Fahrt in dein Cape hüllst, weil die Leute ziemlich neugierig sind. In Deutschland kannst du ohne Probleme ohne herumlaufen. Und hier noch ein paar aufgeschriebene Tipps. Mit diesen Anweisungen, wirst du Asuka ganz leicht finden. Trotzdem würde ich aufpassen: auch wenn die Agenten dort nicht ganz so gespitzt auf dein Aussehen sind, du bist dort fremd und deine Sprache könnte dich verraten. Also habe ich dir noch etwas besorgt. Hier, diesen Plastikstreifen klebst du dir auf den Kehlkopf. Er lässt sich problemlos auf alle möglichen Sprachen einstellen und sollte er einmal nicht mehr kleben, einfach etwas mit Wasser befeuchten und dann klebt er schon wieder. Wie das alles geht, steht in meinen Tipps. Aber du wirst genug Zeit zum lesen haben. Du wirst jetzt ungefähr 3 Tage unterwegs sein, wenn nicht länger. Präge dir alles genau ein. Und jetzt los, das Schiff wartet nicht.“
Wir verließen den Bunker und gingen über die unterirdischen Wege zu einem Ausgang im östlichen Wald. Von dort war es eigentlich nur mehr ein Katzensprung, aber wir mussten eine A.N.S.T. Kontrolle überwinden und die Agenten umgehen. Genau 20 Minuten, bevor das Schiff auslief ging ich an Bord, während 49 dem Operator das Geld übergab, dass dieser wortlos einsteckte und nickte. Ich hatte nicht viel Zeit 49 noch einmal zuzuwinken, denn einer der Männer der Besatzung ging gleich mit mir unter Deck, zeigte mir eine Kajüte die spärlich eingerichtet war, drückte mir noch einen Zettel in die Hand, ging uns schloss die Tür hinter sich. In der Kajüte gab es wirklich nicht viel. Ein kleines notdürftig zusammengezimmertes Bett mit einem Strohsack darauf, einem Strohkissen und einem einfachen Tuch als Decke; ein kleiner Tisch mit einem Schemel daneben und in der Wand ein kleines Bullauge. Auf dem Zettel, den mir der Mann in die Hand gedrückt hatte, war der Weg aus der Kajüte zur Toilette beschrieben und dass es nur eine Mahlzeit am Tage geben würde und dass immer Mittags. Die Kajüte ließ sich von innen verriegeln, was ich auch gleich tat. Ich hatte mich kaum auf das Bett gesetzt, als ein Ruck durch das Schiff ging und der Himmel, den ich durch das Bullauge sehen konnte, zu bewegen begann. „So“, sagte ich zu mir selbst, „jetzt bist du auf dem Weg zu deinen Freunden, Shinji. Ich hoffe bloß, dass ich das richtige tue!“

Als das Schiff die Bucht verlassen hatte und schon fast am Horizont verschwunden war, tauchte beim Haus des Black Operators ein Mann mit einem schwarzen Anzug und einer gleichfarbigen Sonnenbrille auf. Nachdem er dem Operator ein großzügiges Trinkgeld hingelegt hatte, erzählte der ihm alles haarklein. Der Agent bedankte sich trat wieder auf den Steg und blickte in die Richtung, in der das Schiff verwunden war. Dann drehte er sich herum und verschwand wieder auf dem Weg, auf dem er gekommen war. Und so begann mein größtes Abenteuer, dass mich noch sehr viel Kraft kosten sollte.

to be continued ….